Mit Sonne, Herz und Feder - Bei Florian ist die Lebensfreude zurück

„Das bin ich nicht. Das passt nicht zu meinem Körper“. Florian, 15, war verzweifelt. Wenn er heute, zehn Jahre später, auf die Anfänge seiner Psoriasis zurückblickt, zeigen seine Mundwinkel die damalige Betroffenheit, sein Gesicht jedoch die Entwicklung eines Jahrzehnts. Begriffe wie Katastrophe, Qual oder Rückzug kommen heute in seinem Wortschatz nicht mehr vor. Stattdessen sind Sonne, Herz und Feder die Leitbegriffe seiner aktuellen Lebenssituation. Dabei hatte Florian früher nicht ernsthaft mit Mobbing-Attacken, Hänseleien oder Ausgrenzungen zu kämpfen. Das Problem war weniger sein Umfeld, das Problem war er selbst. Wie beim Flirten. „Ich habe damals gedacht, das bringt nichts, weil sie das gleich sieht und dann ist sofort Schluss“. Details zu seiner Erkrankung – nein danke. Die Psoriasis soll nur verschwinden.

Erst drei Jahre nach Ausbruch wendete sich das Blatt. Anlass war die Unzufriedenheit, berechtigt oder nicht, mit seinem Arzt. Der Neue tat ihm gut. Florian fing langsam an, über seine Erkrankung auch nachzudenken, sie nicht mehr nur als unwillkommenen Fremdkörper zu betrachten. Das war der erste Schritt, die Erkrankung auch anzunehmen. Hintergründe wurden wichtig. Sein Mehrwissen resultierte in einer selbstbewussteren Kommunikation. Er stand Rede und Antwort, sprach mit Anderen über seine Psoriasis, stellte sich. Das tat ihm gut. Doch eine Eigenschaft blieb auch während dieser Zeit: seine Schüchternheit.

Bis 2010. Da begann er seine Ausbildung als Erzieher in einem Kindergarten. Er fand aufgeschlossene Eltern vor, denen er seine Erkrankung erklärte, unvoreingenommene Kinder, die ihn so wie er war akzeptierten. Er bewegte sich privat in einem stabilen Umfeld, das ihn bei gelegentlichen Tiefs wieder auffing. Er fasste Mut, auch neue Dinge im Leben zu wagen.

Wie 2011 das dritte Jugendcamp des Deutschen Psoriasis Bundes (DPB) in Wuppertal. „Ich war selbst überrascht über diesen Schritt, etwas Fremdes auszuprobieren“. Das so genannte „Fremde” für ihn war die direkte Kommunikation mit Betroffenen in seinem Alter, die ihre individuelle Situation mit ins Camp brachten und die Offenheit in den Gesprächsrunden.
Er hörte, wie die anderen Teilnehmer des Camps mit ihrer Erkrankung umgingen, wie sie es schafften – oder auch nicht – positiv zu denken. Bis Wuppertal war er auf einem guten Weg, doch im Jugendcamp legte er den Zement um den Grundstein für sein heutiges Selbstbewusstsein. Die Lebensfreude wurde größer, die Flecken gingen weg.

Beim vierten Jugendcamp in Stade war er fast beschwerdefrei. Nach Stade nahm der Stress im Beruf kurzzeitig zu – die Schübe ließen nicht lange auf sich warten. Routiniert bewältigte er diese Situation. Ließ sich nicht runterziehen. „Es ist mir bewusst geworden, dass es doch gar nicht so schlimm ist“. Seine Einstellung zur Erkrankung hatte sich verändert. Er hatte sein persönliches Problem zu einer Chance für sich  gemacht. Eine Chance, sein Leben einfacher zu gestalten. „Und dann gingen plötzlich auch die Flecken weg“.

Beim fünften Jugendcamp in Regensburg saß ein lebensfroher Florian in der Runde, der den anderen Teilnehmern vor allem sagen konnte: „Wenn sich innerlich bei Euch was tut, dann tut sich auch äußerlich etwas“. Der Florian von heute geht offen auf Menschen zu, nimmt nicht jeden Blick und jeden Spruch als „gegen ihn gerichtet“, flirtet gerne, und will vor allem anderen Betroffenen helfen, die noch nicht so weit sind wie er heute. „Es müssten sehr viel mehr Jugendliche das tolle Angebot des DPBs nutzen. Die drei Camps haben mir extrem gut getan. Jetzt möchte ich als Dank auch etwas zurückgeben“. Florian wird sich künftig als „Jugendbotschafter“ des DPBs engagieren.

Ach ja, Sonne, Herz und Feder. Florian in Regensburg: „Die Sonne scheint nicht nur draußen, sondern auch bei mir drinnen. Eine Beziehung bahnt sich an, deshalb das Herz, und die Feder ist für mich ein Symbol für mehr Leichtigkeit in meinem Leben. Über die Jahre habe ich den ganzen Problem-Ballast abgeworfen.“
Florian, 25, hat es geschafft.