Selbstbewusst und Mutig – Melissa traut sich und macht ihr Ding

Berlin, Jugendcamp 2014. Das Funkeln in ihren Augen ist neu. Melissa, 25, steht vor der Gruppe und betont, wie gut es ihr heute geht. Ihre Körpersprache zeigt, ich bin selbstbewusst. „2014 wird für mich ein richtig gutes Jahr werden“. Das war 2003 nicht. Die Psoriasis beginnt. Zunächst am Kopf, dann an den Armen und Beinen. Melissa, übergewichtig und schüchtern, verweigert den Dialog mit ihrer Umwelt. Schweigen statt reden. Auf der Hauptschule ist Mobbing die Folge. Die Suche nach einem emotionalen Auffangbecken scheitert. Melissa fühlt sich allein gelassen. 2005 macht sie die Mittlere Reife nach. „Das war stressig und nicht gut für meine Erkrankung“.

Dann der erste Wendepunkt in ihrem Leben. Im Herbst 2005 startet sie eine Ausbildung als Arzthelferin bei einem Kinderarzt in Erlangen. „Das war die beste Entscheidung, die ich damals treffen konnte“. Verständnisvolle Kollegen, ein toller Chef, ein erfüllender Beruf. Sie fühlt sich wohl. Doch die Psoriasis verschwindet nicht. In 2008 wird Fumaderm ihr medikamentöser Begleiter. Bis heute. Sie fühlt sich gut eingestellt. Weitere Therapieoptionen kommen in den folgenden Jahren dazu: Psychotherapie, Bäder, Bestrahlungen und eine Kur. Kurzzeitige Erfolge stellen sich ein, aber Introvertiertheit und mangelndes Selbstbewusstsein bestimmen weiterhin ihr Leben. Ihre eigene Familie, so operativ unterstützend sie auch ist, entwickelt sich zu einem Stressfaktor. Das Verständnis, gemeinsam die Herausforderungen der Krankheit zu bewältigen, fehlt. Sätze wie „Du musst was ändern“ oder „Tu was“ sind gut gemeint, aber wenig zielführend. Verantwortung wird an die Tochter, die Betroffene delegiert. „Ich fühlte mich allein mit meinem Problem“. Aber auch Familienfeiern sind für Melissa Stress pur. „Ich wollte nie zu den Familienfeiern gehen. Eigentlich nicht wegen meiner Schuppenflechte, sondern weil ich nahezu die Einzige bin, die übergewichtig ist. Und da Abnehmen eines unserer zentralen Familienthemen ist, stresse ich mich da immer so rein“.

Ihr Selbstwertgefühl leidet, die Psoriasis profitiert. Neun Jahre später der zweite Wendepunkt, Dezember 2013. Ein neues Koordinatensystem gewinnt an Kontur. Sie zieht zu Hause aus. Die erste eigene Wohnung, 50 qm, 2 Zimmer, Balkon. Ein neuer Freund, der erste, der sie mitzieht, ermutigt, motiviert. Und dessen Familie sie bei der Vorstellung herzlich umarmt. Kommunikative Wärme. Wohlfühlen. „Ich fühlte mich sofort akzeptiert“. Die stressige Kennenlernphase ist schnell vergessen. Die zweifelnden Fragen, die Unsicherheit: Ist er jemand, der für meine Krankheit Verständnis zeigt? Kann ich mich ihm anvertrauen? Kann ich ihm vertrauen? Heute, zehn Monate später, weiß sie: Sie kann. Sie kann heute auf eigenen Beinen stehen, sich öffnen, kommunizieren. Sie ist selbstbewusster geworden. Abgeklärter. Mutiger. „ Ich habe früher immer gedacht, was mögen die Anderen jetzt wohl über mich denken“. Melissa zweifelt heute nicht mehr, lässt sich nicht mehr verunsichern. Schwimmbad und Fitnessstudio sind aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. „Ich mache das jetzt einfach“ oder „Man muss sich nur trauen“, solche Aussagen spiegeln die Melissa 2014 wider. Ihr neues Selbstbewusstsein speist sich aus der veränderten persönlichen Lebenssituation, aus der Wertschätzung im Beruf und aus ihrer neuen Rolle als Jugendmentor im Deutschen Psoriasis Bund.

Das Jugendcamp in Berlin war ihre Bühne. Für viele Gespräche mit den Neulingen und für den Erfahrungsaustausch mit den anderen drei Jugendmentoren. Melissa ist stolz, Vorbild für jugendliche Betroffene sein zu können, zu helfen, zu motivieren. „Ich möchte allen Betroffenen diese Jugendcamps ans Herz legen. Mir haben sie immer wieder neue Motivation für den Alltag gegeben“. Sie denkt an Stade 2012 zurück. An ihr erstes Jugendcamp. An eineMelissa, die zurückhaltend, schüchtern, unsicher, im Einzelzimmer schlafend den Kontakt zu den Anderen nicht so recht finden wollte.

Am Ende der Kurzpräsentation zu ihrer Entwicklung in den letzten zwölf Monaten hört sie von der Gruppe nur Komplimente. Positive Ausstrahlung, mutiger geworden, selbstbewusst. Das Funkeln in ihren Augen beschließt, länger zu bleiben.